Blick in die Vitrine des Moulagenmuseums Zürich, Foto: Navena Widulin
Blick in die Vitrine des Moulagenmuseums Zürich, Foto: Navena Widulin

Moulagensammlungen in Österreich

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Innsbruck

Die Moulagensammlung der Universitätshautklinik Innsbruck

Lepra nodosa, Hersteller: Dr. Karl Henning, 1898
(Foto: Mag. Dr. Christian Lechner, 2017)

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Kaiser Franz Joseph genehmigte mit Beschluss vom 26.09.1873 die Errichtung einer eigenständigen "Klinik für Syphilis und Dermatologie" und ernannte Eduard Lang (01.05.1841, Klacsan, 19.06.1916, Reichenau/Niederösterreich) zum außerordentlichen Professor und Klinikvorstand. Dieser war bereits 18.07.1871 zum Privatdozent mit der Venia docendi für Chirurgie und Syphilis ernannt worden. Seine sehr gut angenommene Habilitationsschrift verfasste er über "Beiträge zur Histologie und Entwicklung des Krebses, fragmentarische Studien". Aufgrund seiner wissenschaftlichen und klinischen Verdienste wurde der Antrag Langs auf Beförderung zum Ordinarius von Kaiser Franz Joseph mit 23.10.1886 genehmigt. Dennoch bewarb er sich noch im selben Jahr als Primararzt für die 2. Abteilung für Syphilis im Wiener Allgemeinen Krankenhaus, der damals größten Abteilung des AKH. Diese Position wurde dem renommierten Forscher gerne überlassen, entsprechend wurde er mit 20.10.1887 seiner Positionen in Innsbruck enthoben. Die Patienten waren zu dieser Zeit noch im alten Stadtspital in der Nähe des Stadtkerns untergebracht. Langs Nachfolger wurde Adolf Jarisch (15.12.1850, Wien, 20.03.1902, Graz). Ernannt zum Extraordinarius am 20.12.1887, wechselte Jarisch jedoch bereits 1892 an die Grazer Universität. Noch im selben Jahr, genau am 24.09.1892, folgte Wladimir von Lukasiewicz (03.07.1860, Hottosszynez/Galizien, 17.02.1924, Lemberg) als Klinikvorstand nach. Unter seiner Ägide übersiedelte die Syphilitisch-dermatologische Klinik 1894 in ein neues Gebäude. Johann Heinrich Rille (10.12.1864, Brünn, 14.12.1956, Höflein an der Donau) folgte dem 1898 nach Lemberg berufenen Lukasiewicz nach und blieb bis zu seiner eigenen Berufung nach Leipzig 1902 in Innsbruck. Nachdem Lukasiewicz und Rille einen Großteil ihrer Ausbildung in Wien absolviert haben, Letzterer sich sogar in Wien habilitiert hatte und vor seinem Wechsel nach Innsbruck die Dermatologisch-syphilidologische Abteilung der Allgemeinen Poliklinik in Wien leitete, ist anzunehmen, dass über diese beiden Klinikvorstände die heute noch existenten Moulagen nach Innsbruck kamen.


Sämtliche Moulagen tragen nämlich die leicht lesbare Unterschrift des in Wien tätigen "Dr. Henning" mitsamt einer Jahreszahl. Die erste signierte Moulage stammt aus dem Jahr 1894, die letzte von 1912. Es dürfte sich also durchwegs um Moulagen von Karl Henning (14.02.1860, Broos/Siebenbürgen, 03.06.1917, Wien) handeln. Dieser wurde 1893 nach einem Studienaufenthalt am Pariser Hôpital St. Louis zum Leiter eines Wiener Moulagenlaboratoriums ernannt, welches nach seinem Tod von seinem Sohn Theodor Henning (13.10.1897, Wien, 05.09.1946, Salzburg) übernommen, wenige Jahre später privatisiert und damit von der I. Universitätsklinik für Haut- und Geschlechtskrankheiten losgelöst wurde. Von der sicherlich ursprünglich größeren Lehrsammlung sind heute nur mehr 65 Moulagen, befestigt an 58 Brettern, in zwei Kästen im Besprechungszimmer des Vorstandbereichs untergebracht.

Universitätshautklinik Innsbruck

Wien

Die Moulagensammlung der Pathologisch-anatomischen Sammlung im Narrenturm-NHM Wien

Carcinoma faciei, Hersteller: Dr. Carl Henning, 1894 (Foto: Mag. Anatole, 2013)

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Die Pathologisch-anatomische Sammlung (heute pathologisch-anatomische Sammlung im Narrenturm) wurde im Jahre 1796 gegründet. Seit Lorenz Biermayer, der 1812 Prosektor und Custos der Sammlung wurde, gibt es einen Musealkatalog in dem die einzelnen Objekte aufgelistet sind. Darin enthalten sind nicht nur Feuchtpräparate und Mazerationen sondern auch etwa 6000 Moulagen und Wachsmodelle. Das älteste Objekt der Moulagen-Sammlung wurde 1843 in den Katalog aufgenommen. Die Abformung stammt von einem Mann, dem durch äußere Gewalteinwirkung der Unterkiefer fehlt. Das Präparat wurde im Jahre 1818 von der Universität Wien angekauft und 1843 der Pathologisch-anatomischen Sammlung übergeben.

An die 2700 Moulagen der Sammlung stammen von den Wiener Moulageuren Karl Henning und seinem Sohn Theodor. Beide signierten ihre Werke und versahen diese mit Jahreszahlen. Die erste von Karl Henning signierte Moulage in der Sammlung stammt aus dem Jahr 1890. Im gleichen Jahr präsentierte er auf dem 10. Internationalen medizinischen Kongress in Berlin zwölf Moulagen. Ein wichtiger Faktor von Hennings Erfolg als Moulageur war die Erfindung einer eigenen Abdruckmasse, dem sogenannten Elastine. Damit war laut eigener Aussage sogar eine Abformung der Cornea möglich. Nach dem Tod Karl Hennings 1917 führte sein Sohn die Arbeit weiter. Die letzte von ihm signierte Moulage in der Sammlung stammt aus dem Jahr 1939, in diesem Jahr wurde die Produktion eingestellt.
Die 1843 begonnene Moulagen-Sammlung wurde 1976 durch die Übernahme der Objekte aus den Universitätshautkliniken, die 1932 im Wiener Allgemeinen Krankenhaus ein eigenes Moulagen-Museum eingerichtet hatten, deutlich vergrößert. Dadurch ist eine große Bandbreite, sowohl an pathologischen Veränderungen als auch an unterschiedlichen Moulageuren erreicht worden.

Die Moulagensammlung des Technischen Museums in Wien

Zerstörung der Gesäßhaut als Folge des Stromeintrittes (sofort nach dem Unfall) aus: Stefan Jellinek, Atlas der Elektropathologie, 1909 (©Sammlung des Elektropathologischen Museums)

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Die Sammlung des Elektropathologischen Museums geht auf den Wiener Mediziner Stefan Jellinek zurück. Erstmals 1936 im Allgemeinen Krankenhaus in Wien ausgestellt, gelangte sie 2005 an das Technische Museum. Die Sammlung umfasst 1903 Objekte. Neben pathologischen Präparaten, befinden sich "stromgeschädigte" Objekte, Bilder, Bildtafeln, Wachsmoulagen, Zeitungsberichte und diverses Archivmaterial in einer Kompaktusanlage. Die Feuchtpräparate sind aus restauratorischen Gründen im der Pathologisch-anatomischen Sammlung im Narrenturm des Naturhistorischen Museums gelagert.

 

 

Unter Strom - Ausstellung im Technischen Museum Wien

Publikation: Die Elektropathologie in Wien - eine Sammlung zur Unfallverhütung



Die Wachsarbeiten des Münzkabinetts im Kunsthistorischen Museum Wien

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Das Wiener Münzkabinett geht auf die kaiserlich-habsburgische Sammlung zurück, deren ältestes erhaltenes Inventar aus dem Jahre 1547 stammt. Heute gehört es zu den fünf größten und bedeutendsten Münzsammlungen der Welt. Mit seinen rund 600.000 Objekten aus drei Jahrtausenden umfasste es nicht nur Münzen, sondern auch prämonetäre Geldformen, Papiergeld, Aktien sowie Medaillen, Orden und Ehrenzeichen. Hinzu tritt eine reiche Sammlung an Prägewerkzeugen. Text-Quelle

 

 

Die Wachsmodellsammlung des Josephinums

Blick in die Wachsmodellsammlung (Foto: Navena Widulin)

Das Josephinum wurde von Kaiser Joseph II als medizinisch-chirurgische Militärakademie gegründet und 1785 nach Plänen von Isidor Canevale fertiggestellt. Es ist das bedeutendste Beispiel klassizistischer Architektur in Wien und ein wichtiges Zeugnis der Aufklärung in Österreich. In Zusammenhang mit der Gründung des Allgemeinen Krankenhauses und der Errichtung des »Narrenturmes« entstanden innerhalb eines Jahrzehnts umfassende medizinische und wissenschaftliche Einrichtungen, die gleichzeitig wesentliche städtebauliche Elemente bilden, die die Stadt Wien bis heute prägen.

Das Josephinum beherbergt die weltberühmte, aus ca. 1200 Präparaten bestehende Wachsmodellsammlung, die Joseph II in Florenz für die neu gegründete Akademie in Auftrag gab, die josephinische Bibliothek mit medizinischen Schriften und Publikationen aus dem 15. bis 18. Jahrhundert, sowie zahlreiche weitere Sammlungen der Medizinischen Universität Wien, die die Geschichte der Medizin und den großen Beitrag der Wiener Schule der Medizin dokumentieren. Das Josephinum ist das historische Eingangstor zur Medizinischen Universität Wien und ist auch heute ein wichtiger Ort für Austausch, Lehre und Forschung. Text-Quelle