Zahnärztliche Moulagen- und Modellsammlung des Instituts für Geschichte der Medizin Berlin

Reponierung/Schienung einer Oberkieferfraktur durch eine Metallschienung der Oberkieferzähne mit extraoralen Bügeln, Fixierung durch (fehlende) Kopfkappe;
Inv.-Nr.: GEZ 2006/24, Foto: Nina Amlang, 2010

Die Sammlungen des Zahnärztlichen Instituts der Friedrich-Wilhelms-Universität Berlin entstanden bereits Ende des 19. Jahrhunderts. Eine Erweiterung der Bestände erfolgte ab 1907 mit der Übernahme der Leitung der Abteilungen Chirurgie durch Fritz Williger, Prothetik durch Hermann Schröder und Konservierende Zahnheilkunde durch Wilhelm Dieck. Jede Abteilung sammelte anatomische Präparate, Fotografien, Lehrtafeln, Instrumente wie auch anatomische Wachsmodelle und Moulagen zu allen Bereichen der Zahnheilkunde, teilweise auch entsprechend den Forschungs­schwerpunkten der Abteilungsleiter.

Die Sammlung wuchs durch Herstellung von neuen Objekten durch Mitarbeiter und Zahntechniker der Zahnklinik sowie durch Ankauf. Daher wurden im 1912 eingeweihten Neubau der Zahnklinik in der Invalidenstraße Sammlungsräume vorgesehen. 1913 kam die Zahnärztliche Sammlung des Kaiserin-Friedrich-Hauses hinzu. Die Sammlungsgegenstände wurden in der Lehre wie auch zur wissen­schaftlichen Forschung und als Abbildungen in Veröffentlichungen verwendet. Teile der Sammlungen wurden auf der wissenschaftlichen Ausstellung zum V. internationalen zahnärztlichen Kongress 1909 in Berlin sowie auf der Hygiene-Ausstellung 1911 in Dresden gezeigt. Der ursprüngliche Umfang der Sammlungen ist heute nicht mehr zu ermitteln.

 

Von den Moulagen und Wachsmodellen sind heute etwa 50 erhalten. Darunter befinden sich 28 Moulagen, Abformungen des gesamten Gesichts, der Kiefer und eine Moulage auf Schädelknochen. Alle Stücke sind verschmutzt, einige beschädigt. Eine Diagnose ist nur auf wenigen vorhanden. Durch Veröffentlichungen und Kataloge lässt sich für die ersten beiden Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts ein Bestand inklusive der Moulagen des Kaiserin-Friedlich-Hauses von mindestens 110 Stücken nachweisen.

Die anatomischen Modelle zeigen die Gefäß- und Nervenversorgung, wie auch die Muskulatur des Kopfes und die Zahnentwicklung. Mehrere Schaukästen mit je 10-20 Wachsmodellen pathologischer Zahnschnitte behandeln die Konservierende Zahn­heilkunde. Die Moulagen zeigen Schleimhauterkrankungen, verlagerte Weis­heits­­­zähne, Lippen-Kiefer-Gaumen-Spalten, Verletzungen des Gesichts und der Kiefer sowie des harten und weichen Gaumens. Es sind auch Moulagen darunter, welche Therapiegeräte oder den operativen Kieferersatz darstellen.

Viele der anatomischen Modelle wurden bei der Firma A. & P. Seifert Berlin, „Atelier für feine wissenschaftliche anatomische Knochenpräparate, Wachsmodelle und Moulagen“, die Schaukästen von den Lehrmittelwerken der Berlinischen Verlagsanstalt gekauft. Vier der Moulagen sind signiert vom Bildhauer Arthur Tempelhoff, nachweislich wurden Moulagen vom Greifswalder Mouleur Emil Häger erworben. Zwei der erhaltenen Moulagen stammen aus der Kriegsärztlichen Ausstellung des Kaiserin-Friedrich-Hauses. Eine Moulage war eine Schenkung der Augenklinik Greeff. Für die meisten der Moulagen ist jedoch eine Herkunft nicht zu ermitteln.

Bis auf die Schaukästen sind die Wachsmodelle und Moulagen wahrscheinlich in einem Zeitraum von etwa 1900 bis vor dem ersten Weltkrieg entstanden. Die Schaukästen wurden erst in den 1920er oder 1930er Jahren hergestellt. Genutzt wurden die Teile bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg.

Die Sammlung ist seit dem Jahr 2010 dem Öffnet externen Link im aktuellen FensterBerliner Medizinhistorischen Museum der Öffnet externen Link im aktuellen FensterCharité angegliedert.

Kontakt

Navena Widulin
Medizinische Präparatorin
t: +49 30 450 536 096

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