Lehre an und mit Moulagen

Führung einer Gruppe von Kosmetik-Auszubildenden im Berliner Medizinhistorischen Museum der Charité, 2008

Moulagen sind im 19. Jahrhundert als Lehrobjekte zu Demonstrationszwecken entstanden. Nicht immer hatten die jeweiligen Fachvertreter Patienten mit den im Unterricht vorgestellten Krankheiten in der Klinik parat oder Ausprägungen bestimmter Leiden waren bei den jeweiligen Patienten nicht deutlich genug sichtbar. An den dreidimensionalen Moulagen mit ihren form- und farbechten Wiedergaben konnten den Studenten bestimmte Symptome und Krankheitszeichen demonstriert werden. Besonders die Dreidimensionalität hat dabei einen in anderen Medien unerreichten Anschauungswert. Moulagen wurden in eigens angefertigten Schauschränken aufbewahrt und als Objekte im Unterricht verwendet. Ebenso wurden sie in Atlanten oder Lexika abgelichtet. Studenten lernten an den Objekten ohne zeitliche Einschränkung des genauer Beschreiben eines Krankheitsbildes – anders als bei Patienten, denen in der Regel nur eine bestimmte Zeit als „Demonstrationsobjekt“ zugemutet werden konnte.

Mit Aufkommen der Farbfotografie, die vor allem die Vorteile eines unkomplizierteren Handlings, einer unaufwendigeren Anfertigung und einer nicht nötigen Betreuung mit sich brachten, wurde die Moulage aus dem Lehrbetrieb verdrängt. Viele Jahre waren sie fast völlig aus der Wahrnehmung verschwunden.

Seit den 1990er Jahren ist jedoch ein zunehmendes Interesse an den Objekten entstanden. Die Medizingeschichte hat sie als interessanten medizinhistorischen Gegenstand entdeckt, an Kliniken sind vereinzelt Bestände gesichtet und gesichert worden und auch die Lehre beginnt wieder Interesse an Moulagen zu entwickeln. In Tübingen werden sie für die Effloreszenzlehre in der Dermatologie verwendet und in Freiburg auch Prüfungen mit den Objekten durchgeführt. In Berlin werden für die Rechtsmedizin neue Moulagen angefertigt.

 

Kontakt

Navena Widulin
Medizinische Präparatorin
t: +49 30 450 536 096

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