Archiv für medizinische Wachsbilder (Moulagen)
Das
Berliner Medizinhistorische Museum der
Charité beherbergt eine Vielzahl von Spezialsammlungen aus unterschiedlichen Bereichen der Medizin. Den größten Anteil an den Beständen hat die Virchow-Sammlung mit ihren über 10.000 pathologisch-anatomischen Feucht- und Trockenpräparaten, wovon 750 in der Dauerausstellung systematisch präsentiert werden. Zudem gibt es Sammlungen von Instrumenten, Zeichnungen, Fotografien, Büchern und Handschriften aus den Bereichen Pathologie, Augenheilkunde, Urologie, Zahntechnik und Anthropologie sowie Moulagen (u.a. Augenmoulagen des Berliner Mouleurs Fritz Kolbow aus der Sammlung Greeff, Charité Augenklinik). Ein Teil der Moulagen werden seit Oktober 2007 in der neuen Dauerausstellung „Dem Leben auf der Spur“ präsentiert und sind dort als Objekte der medizinischen Lehre und Spezialisierung um 1900 kontextualisiert.
Berlin war um 1900 im deutschen Sprachraum das Zentrum der Moulagenbildnerei. Mindestens sechs medizinische Einrichtungen verfügten hier über beachtliche Moulagensammlungen. Fritz Kolbow (1873-1946), einer der bedeutensten Mouleure, bediente als privater Lehrmittelproduzent verschiedene Auftraggeber. Mit seiner Hilfe baute u. a. Richard Greeff (1862-1938), Direktor der Charité-Augenklinik, in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts eine exzellente Augenmoulagensammlung auf. Jüngste Forschungen konnten zweifelsfrei belegen, dass ein Teil der hier gezeigten Objekte aus den Greeffschen Beständen stammen. Sie ließen sich sogar im "Atlas der äusseren Augenkrankheiten" (1909) nachweisen, in welchem Greeff ausschließlich auf Moulagen als Bildvorlagen zurückgriff. Er schrieb in seinem Vorwort, dass es sich bei seinen reproduzierten Moulagen stets um konkrete "Krankheitsfälle" handelte, die er in seiner Klinik sah.
Thomas Schnalke
Moulagensammlung des BMM der Charité (91.7 kb)
| Isabel Atzl Freie Mitarbeiterin |
| Navena Widulin Medizinische Präparatorin t: +49 30 450 536 096 |